Milchmarkt-Update Weiterhin Fragil Newsletter vom 24. November 2025
Rückblick und Analyse
Nach mehreren Wochen der Erholung haben die Preise in dieser Woche wieder leicht nachgegeben; der 4-Wochen-Trend bleibt jedoch leicht positiv.
Ausnahme bleibt das Milchfett – hier hält der negative Trend weiterhin an.
Milchanlieferung
- Deutschland: Mitte November saisonal leicht rückläufig (KW 45: –0,2 % zur Vorwoche), aber +6,9 % zum Vorjahr; das saisonale Tief verschiebt sich nach hinten.
- Frankreich: Zuletzt +0,6 % zur Vorwoche und +4,7 % zum Vorjahr.
- Türkei: September –1,7 % zum Vorjahr; Jan–Sep 2025 kalenderbereinigt +0,7 % vs. Vorjahreszeitraum.
- Brasilien: September +3,2 % zum Vorjahr; Q3 +10,2 %, Jan–Sep +8,0 %.
EU-27: Handel
- Käseexporte Jan–Sep leicht über Vorjahr (ca. 1,04 Mio. t).
- Exporte von Magermilchpulver +4,4 %, Molkenpulver ebenfalls leicht höher.
- Gleichzeitig deutlicher Importanstieg, v. a. bei Butter/Butteröl (mehr als Verdoppelung) sowie höheren Einfuhren von Käse und Milchpulvern:
GDT vom 18.11.2025
- Weiter im Sinkflug: Die Global Dairy Trade ist in der zweiten November-Auktion bereits zum 7. Mal in Folge gefallen.
- Fette unter Druck: Butter –7,6 % – tiefster Stand seit Anfang 2024.
- Käse und Pulver schwächer:
- Cheddar –2,7 %, Mozzarella –2,8 %. In Europa beginnt sich Mozzarella leicht zu erholen, auf der GDT ist das noch nicht sichtbar.
- Magermilchpulver –0,6 %, Vollmilchpulver –1,9 % (3.452 $/t).
- Nachfrage: Die anhaltenden Rückgänge werden vor allem auf schwache Kaufinteressen aus China zurückgeführt.
Milcobel
Milcobel senkt den Milchpreis für November so stark wie noch nie in diesem Jahr. Der Basispreis bei „tatsächlichen Qualitäten“ sinkt um 6,16 € auf 39,36 €/100 kg (1,3 Mio. kg/Jahr, exkl. MwSt.).
Hochwald
- Verkauf der Joghurtmarken Elinas und Lünebest sowie des Werks Lüneburg an UTM (Theo Müller), vorbehaltlich Kartellamtsgenehmigung.
- Größenordnungen: Hochwald mit ca. 2 Mrd. € Umsatz, UTM/Müller-Gruppe mit rund 9,5 Mrd. € Umsatz (inkl. Dairy, Convenience und Logistik).
Schweiz:
Milchanlieferung
- Konventionell: rund +5 % gegenüber Vorjahr.
- Bio: im September etwa +10 %, im Oktober weiterhin deutlich über Vorjahr.
- Hauptgründe: gute Futterlage, hoher Grundfutterwert, günstiges Wetter – praktisch keine Futterknappheit.
Die Branchenorganisation Milch (BO Milch) reagiert auf hohe Butterlager und steigende Milchmengen mit Entlastungsmaßnahmen über Exportstützung für:
- 3.000 t Butter
- 2.000 t Rahm
Mooh
Informiert als bedeutendste Schweizer Milchhändler offen über die aktuelle Lage. Rückgänge bei Ihren Hauptkunden Cremo und Hochdorf belasten Mooh. Kompensiert wird dies durch den Ausbau der eigenen Commodity-Käseproduktion.
Käseexport Schweiz: (Quelle TSM GMBH, Schweiz)
Total Exporte: Okt 8'710 t (- 5,7%) Jan-Okt 64’621 t (+2.0%)
Total Importe: Okt 6’401 t (- 3,6%) Jan-Okt 67’451 t (+2.4%)
1) Exporte nach Ländern
- Deutschland: Okt. 4’292 t (+0,5 %) Jan–Okt. 30’839 t (+2,7 %)
- Frankreich: Okt. 647 t (−6,2 %) Jan–Okt. 4’684 t (+2,2 %)
- Italien: Okt. 1’152 t (−8,5 %) Jan–Okt. 11’660 t (+14,5 %)
- USA: Okt. 811 t (−54,2 %) Jan–Okt. 6’094 t (−18,8 %)
2) Exporte nach Sorten
Frischkäse
- Total: Okt. 1’220,5 t (−0,2 %) Jan–Okt. 12’735,8 t (+16,5 %)
- Cottage Cheese Okt. 1’096,0 t (+1,2 %) Jan–Okt. 11’587,4 t (+15,5 %)
Halbhartkäse
- Total: Okt. 3’039,4 t (−1,9 %) Jan–Okt. 19’174,1 t (+3,1 %)
- Appenzeller AOP Okt. 457,0 t (+7,6 %) Jan–Okt. 3’331,7 t (+0,7 %)
- Raclette: Okt. 740,6 t (−2,4 %) Jan–Okt. 1’685,0 t (−14,4 %)
- Magerkäse Okt. 579,7 t (−0,1 %) Jan–Okt. 5’568,6 t (+21,5 %)
Hartkäse
- Total: Okt. 3’144,9 t (−11,6 %) Jan–Okt. 26’382,7 t (−4,2 %)
- Gruyère AOP: Okt. 1’518,2 t (−5,0 %) Jan–Okt. 9’863,4 t (−7,7 %)
- Emmentaler AOP Okt. 727,4 t (−12,6 %) Jan–Okt. 6’433,8 t (−4,0 %)
- Magerkäse Okt. 569,0 t (−5,8 %) Jan–Okt. 5’722,6 t (+9,7 %)
Weiterhin Fragil?
Es ist weiterhin zu früh, von einer stabilen Bodenbildung zu sprechen. Die Signale für eine vorsichtige Stabilisierung nehmen zu, stehen aber mehreren Gegenfaktoren gegenüber (Fettmarkt, China-Nachfrage, globale Wirtschaftslage).
Q4/2025: Tendenzen & Risiken
- Gouda: seitwärts.
- Mozzarella: seitwärts.
- Cagliata: eher seitwärts.
- Fett: leichter Aufwärtstrend von sehr niedrigem Niveau.
- SMP: leichter Aufwärtstrend.
- Molkenprodukte:
- WPC80: deutlich fester,
- Süßmolkenpulver / Permeat: stabil bis leicht fester.
Der Jahresendverkauf ist weitgehend abgeschlossen – Q4 dürfte insgesamt auf tiefem Preisniveau weitgehend seitwärts verlaufen.
Q1/2026: stabile bis steigende Preise möglich
- Das Milchvolumen in Neuseeland sinkt,
- die Lagerbestände in Europa sind in vielen Segmenten überschaubar.
- Die Exportentwicklung hängt wesentlich von USD-Wechselkurs und Milchproduktion in den USA ab.
Erste Anzeichen sprechen weiterhin für stabile bis leicht steigende Preise im Q1/2026; entscheidend wird das Milchaufkommen in den nächsten Wochen sein. Kälteres Wetter kann hier dämpfend wirken.
Empfehlung
Die Argumente für eine vorsichtige Bodenbildung mehren sich; ein erneuter Rücksetzer bleibt aber möglich.
Vorgehen:
- Bedarfe für Q1–Q2/2026 gestaffelt absichern (Teiltranchen, kein All-in).
- Die jüngsten Preissenkungen in den Niederlanden zeigen anhaltende Skepsis im Markt; teilweise dürfte auch die Verlustkompensation der Vormonate eine Rolle spielen.
Futterseite:
- China importiert wieder mehr Soja aus den USA – steigende Kraftfutterpreise wirken mittelfristig eher stützend auf die Milchpreise.
Wir sind für Sie vor Ort – unsere Messepräsenz 2025/26
- Winter Fancy Food, San Diego – 11.–13. Januar 2025 (unsicher)
- Marca, Bologna – 15.–16. Januar 2026
- Tutto Food Milano – 11.–14. Mai 2026
- Salon du Fromage, Paris – 7.–9. Juni 2026
- Sial, Paris – 17. - 21.– Oktober 2026
Gönnen Sie sich einen echten Schweizer Blumenwiesenkäse aus Rohmilch, nicht nur ein Genuss, sondern auch ein kleines Stück Lebensfreude für die Seele.
Herzliche Grüsse, Affineur Walo