Milchmarkt-Update: Strukturkrise? Newsletter vom 1. Dezember 2025
Milchmarkt-Update: Strukturkrise?
Newsletter vom 1. Dezember 2025
Rückblick und Analyse
Milchfett bleibt unter Druck – selbst in der konsumstarken Vorweihnachtszeit. Gut gefüllte Lager machen weitere Preisrückgänge Anfang 2026 wahrscheinlich. Protein hält bisher, muss es aber auch, damit der Milchpreis nicht abrutscht. Insgesamt sind wir klar im Bärenmarkt, verschärft durch strukturschwache Anbieter mit Tiefstpreisen.
Die Krise legt Schwächen einzelner Genossenschaften offen und beschleunigt die Neuordnung: FrieslandCampina fusioniert mit Milcobel, Arla mit DMK, Hochwald verkauft das Joghurtgeschäft an Müller. Gewinner sind effizient geführte private-label- und markenorientierte Anbieter. In 1–2 Jahren dürfte die Milchkarte anders aussehen: wenige, noch grössere mengengetriebene Verbünde und einige fokussierte, marktorientierte Gewinner.
Milchanlieferung
- Deutschland: KW 46 rund +7,5 % über Vorjahr, zudem höhere Fett- und Eiweissgehalte als 2024.
- Frankreich: zuletzt etwa +5,3 % über Vorjahr.
- Niederlande: Oktober +7,8 % über Vorjahr, Jan–Okt +1,3 %.
- Polen: Oktober +5,7 % über Vorjahr, Jan–Okt +3,3 %.
- USA: Jan–Okt 2025 +2,4 % über Vorjahr, mit höherem Fettgehalt.
- Neuseeland: Jan–Okt +2,0 %, Saisonspitze im Oktober; Fonterra senkt dennoch die Milchpreisprognose (nun umgerechnet ca. 34,5 ct/kg EU-Standardmilch).
- Australien: Gegenbewegung – Jan–Okt −2,2 % gegenüber Vorjahr.
- Argentinien: deutliche Erholung nach dem Dürrejahr; Jan–Okt +10,8 % über Vorjahr.
Lagerbestände
USA
- Käsebestände leicht höher als Vorjahr (+1,7 %),
- Magermilchpulver deutlich höher (+10,4 %),
- Butter und Molkenpulver klar reduziert (Butter −5,7 %, Molkenpulver −16,1 %).
- Gegenüber Juli wurden alle vier Produktgruppen saisonal etwas abgebaut (am stärksten Butter −7,7 %).
EU / Deutschland:
- Reifelager für Schnittkäse werden als „niedrig“ beschrieben; freie Ware für Zusatzkäufe ist knapp.
- Bei Butter ist eher von abwartender Haltung und nachlassenden Preisen die Rede – nicht von Knappheit.
Friesland/Campina
Senkt den Milchpreis für Dezember erneut um 2,50 €/100 kg und liegt damit auf dem tiefsten Niveau seit fünf Jahren (Basisgarantiepreis Standardmilch: 43,50 €/100 kg; Grundpreis NL: 42,66 €/100 kg, Maximum inkl. Zuschläge: 47,66 €/100 kg). In Belgien sinkt der Milchpreis auf 41,40 €/100 l (−2,42 €/100 l), während der Bio-Garantiepreis – dank leichter positiver Entwicklung im Biomarkt und inkl. Winterbonus – leicht auf 68,71 €/100 kg steigt.
Schweiz:
Was wir in der EU sehen, zeigt sich zunehmend auch in der Schweiz: Strukturschwache Anbieter drücken mit Tiefstpreisen in den Markt, volumengetriebene Modelle stossen an Grenzen. Cremo steht exemplarisch: fünf Verlustjahre in Folge (–16,9 Mio. CHF 2024), verschärfte Lage seit Sommer 2025, sofortiger CEO-Rücktritt, die Folge jahrelang überdeckter Strukturprobleme, komplexer Standorte und politisch geprägter Entscheide.
Die Zeche zahlen Lieferanten und Bauernfamilien. Häufig fehlt in den von Bauern dominierten Verwaltungsräten die strategische Führung; Die Verflechtung von Verbänden, VR und Politik begünstigt das Hinausschieben nötiger Strukturanpassungen mit entsprechend heftigeren Krisen.
Strukturkrise?
Die aktuellen Verwerfungen haben ihre Ursache weniger in einem klassischen Bärenmarkt als in notwendigen Strukturanpassungen – wir stehen mitten in einer Strukturkrise. Solche Phasen gehen vorbei, doch Fusionen und andere Konsolidierungen lösen die Probleme meist nur teilweise und schaffen teils neue Ineffizienzen: Häufig übernehmen eigentlich gesunde Strukturen ohne genügende Analyse Risiken der ausscheidenden Unternehmen.
Q4/2025: Tendenzen & Risiken
- Gouda: seitwärts.
- Mozzarella: seitwärts.
- Cagliata: eher seitwärts.
- Fett: weiterhin schwach eher sinkend
- SMP: seitwärts
- Molkenprodukte:
- WPC80: deutlich fester,
- Süßmolkenpulver / Permeat: stabil bis leicht fester.
Der Jahresendverkauf ist weitgehend abgeschlossen – Q4 dürfte insgesamt auf tiefem Preisniveau weitgehend seitwärts verlaufen.
Q1/2026: stabile bis steigende Preise möglich
- Das Milchvolumen in Neuseeland sinkt,
- die Lagerbestände in Europa sind in vielen Segmenten ausser bei Milchfett überschaubar.
- Die Exportentwicklung hängt wesentlich von USD-Wechselkurs und Milchproduktion in den USA ab.
Im Moment sehen wir sehr wenige Anzeichen für steigende Märkte in Q1, vor allem nicht beim Milchfett.; entscheidend wird das Milchaufkommen in den nächsten Wochen sein. Kälteres Wetter kann hier dämpfend wirken.
Empfehlung
Die Argumente für eine vorsichtige Bodenbildung mehren sich; ein erneuter Rücksetzer bleibt aber möglich.
Vorgehen:
- Wer seine Bedarfe für Q1 bereits zu rund einem Drittel und für Q2 zu einem kleineren Teil abgesichert hat, kann die aktuelle Schwächephase vorerst beobachten, statt aggressiv nachzukaufen.
- Die jüngsten Preissenkungen in den Niederlanden zeigen anhaltende Skepsis im Markt; teilweise dürfte auch die Verlustkompensation der Vormonate eine Rolle spielen.
Wir sind für Sie vor Ort – unsere Messepräsenz 2025/26
- Winter Fancy Food, San Diego – 11.–13. Januar 2025 (unsicher)
- Marca, Bologna – 14.–15. Januar 2026
- Tutto Food Milano – 11.–14. Mai 2026
- Salon du Fromage, Paris – 7.–9. Juni 2026
- Sommer Fancy Food 28. – 30. Juni 2026
- Sial, Paris – 17. - 21.– Oktober 2026
Gönnen Sie sich einen echten Schweizer Blumenwiesenkäse aus Rohmilch, nicht nur ein Genuss, sondern auch ein kleines Stück Lebensfreude für die Seele.
Herzliche Grüsse, Affineur Walo