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MILCHMARKT UPDATE: Preis-Tsunami? Newsletter No. 170 | 27. Juli 2026

Dairy Market Analysis from 27-7-26; Milchmarkt Marktanalyse vom 27-7-26

Der kluge Senn füllt den Keller, wenn die Sonne scheint, nicht wenn der Schnee fällt. Antoine der Käsekünstler; Gruyères, um 1680, eine historische Romanfigur, die uns in jedem guten Käsekeller begleitet. 

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Dairy Market Analysis from 27-7-26; Milchmarkt Marktanalyse vom 27-7-26

Rückblick & Ausblick

Dies ist mein letzter Newsletter vor der Sommerpause. Die nächste Ausgabe ist auf den 24.8.2026 geplant.

Die Hitze stützt den Markt weiterhin einzig die Spotmilch reagiert auf die jüngsten höheren Einlieferungen. Auch wenn die Hitze etwas nachlässt: Es bleibt trocken, das Futter ist knapp und teuer. Gleichzeitig sind die Rindfleischpreise hoch und die Milchpreise tief was liegt näher, als ein paar Tiere früher zu schlachten? Wir werden sehen, wie sich diese Märkte entwickeln.

Für Q4 entscheidet Ozeanien. Die bisherigen Produktionsdaten aus Neuseeland sprechen noch nicht für eine Verknappung. Ab Oktober hängt der Markt am Verlauf der neuen Saison und an möglichen El-Niño-Effekten. Geht gleichzeitig die Produktion in Europa und Südamerika zurück, können die Preise rasant nach oben gehen.

Die Preisbewegungen bestätigen das Bild der letzten Wochen: Die Talsohle im Standardkäse scheint vorerst erreicht. Das Handelsvolumen ist ferienbedingt gering eine Aufwärtsbewegung über zwei Wochen ist noch keine garantierte Trendwende.

Empfehlungen

  • Q3: eindecken. Die Bewegung ist messbar: Edamer +7,8 % über vier Wochen, Cagliata +4,6 % in einer Woche, Spotmilch +61 % über vier Wochen. Die Hitze ist teilweise im Preis aber die Bewegung läuft, nicht umgekehrt.
  • Q4: neutral bis leicht bullisch — produktweise decken. Käse decken: Cagliata, Schnittkäse, Mozzarella. SMP: Teildeckung. WMP: abwarten. Butter: nicht über EEX wenn Fett-Deckung, dann über Ozeanien/GDT, wo die Kurve flach ist.
  • Q1 2027: leicht bullisch, Fokus Ozeanien. Fällt der NZ-Peak im Oktober in die El-Niño-Zone, kommt die Bewegung Ende Jahr. Erste Tranche jetzt, nachziehen mit den NZ-Daten.

Ausnahmen: Butter hier puffern die Lager noch; wir lesen Butter über die Bestände, nicht über die Terminkurve. SMP scheint gut gestützt, vor allem durch die erwartete Nachfrage aus dem Osten.

Milchanlieferung (KW 28)

  • Deutschland: +3,7 % zur Vorwoche, +4,0 % zum Vorjahr
  • Frankreich: +2,2 % zur Vorwoche, −1,0 % zum Vorjahr

Die Fett- und Eiweissgehalte sinken weiter. Das warme Wetter hielt auch in KW 29 an; Rückgänge oder eine Stabilisierung auf tiefem Niveau sind erwartbar. Die Temperaturen sind teils zu hoch für den Weidegang. Die Kühe fressen im Stall die Vorräte für den Winter, während auf den Weiden wegen Hitze und Trockenheit wenig nachwächst.

Milchaufkommen Mai 2026 – EU-27

Mai 2026: geschätzt +2,4 % über Vorjahr — das Wachstum schwächt sich ab. Januar–Mai: +3,8 %. Der saisonale Höhepunkt war dieses Jahr bereits im April. Hauptgrund der Abschwächung: Frankreich fiel im Mai erstmals seit Jahresbeginn unter die Vorjahreslinie.

Absatz EU-27 (Exporte Januar–Mai)

Magermilchpulver: +11 % auf 367.700 t, grösster Markt bleibt Algerien (12 %). Käse: +4 %, Zuwächse vor allem Japan, UK, Bosnien-Herzegowina. Butter: +36 % dank verbesserter Wettbewerbsfähigkeit.

GDT-Tender vom 21.07.2026 — Index +1,5 %

  • Gehandelte Menge: 26.889 t, +2,2 % zum Vortermin
  • Magermilchpulver: +2,8 % auf 3.234 USD/t
  • Vollmilchpulver: +1,6 % auf 3.486 USD/t
  • Buttermilchpulver: +10,5 % (stärkster Anstieg)
  • Mozzarella: +1,3 %
  • Butteröl: +1,1 %
  • Butter: −0,6 %
  • Cheddar: −6,5 %

Die Futures hatten −4 % erwartet. Der Markt ignoriert derzeit die bearishen Signale der SGX und die hohe NZ-Milchproduktion. Besonders die Pulvermärkte zeigen unerwartete Stärke, während Butter und Cheddar die einzigen echten Schwachpunkte bleiben.

Käse

  • Blumenwiesenkäse (Rohmilch/Premium): Emmentaler leicht im Plus, die anderen Sorten stabil.
  • Standardkäse (pasteurisiert): Folienkäse führt die Erholung an: Gouda +1,9 % auf 3.285 €/t, Edamer +1,2 % Mozzarella stagniert bei 3.480 €/t und korrigiert seine relative Überbewertung. Der Handel bleibt ferienbedingt ruhig, Juli und August sind weitgehend eingedeckt.
  • Volumenkäse/Dekanter: Keine Notierung. Immer noch aggressive Angebote aus der Schweiz.
  • Hi-Lo (High Protein/Low Fat): Grana Padano leicht steigend, es wird vermehrt nach Ersatz wie Gran Pasta gesucht.

Milchpulver

  • SMP: Fest trotz Ferienruhe: +1,1 % auf 2.740 €/t, Laktose als Star +26 % über Vorjahr — nur WMP gibt nach (−1,9 %). Der Markt preist die hitzebedingt knappere Milch und Restocking aus dem Nahen Osten ab September ein.
  • WPC80/WPI90: WPC80 gibt die fünfte Woche in Folge leicht nach auf 25.500 €/t (−0,6 %), liegt aber weiter 32 % über Ende März; WPI90 sinkt auf 30.625 €/t (−1,2 %). Das Angebot bleibt knapp und weitgehend auskontrahiert, ab September erwarten Marktteilnehmer wieder festere Preise.

Flüssigmärkte

Spotmilch DE Nord 0,355 €/kg, −4,1 % zur Vorwoche die Erholung der Anlieferung entspannt den Rohstoffmarkt. Über vier Wochen bleibt die Spotmilch +61 % im Plus.

Milchfett

Kempten hat Blockbutter am 22.07. auf 3,95–4,05 €/kg angehoben — belebtes Kaufinteresse, vor allem der Händler. Reines Milchfett −5,7 % auf 3,97 €/kg.

Schweiz

Die Schweiz weiss nicht, wohin sie will. Die traditionellen AOP-Sorten sind unter Druck, die neuen Produkte im Hi-Lo-Bereich und andere Käse wachsen stark. Gleichzeitig fehlen Verarbeitungskapazitäten, und einige Genossenschaften müssen ihre Bilanzen bis Ende Jahr ausgleichen. Damit hält der Druck auf den Milchpreis an und die daraus entstehende interne Konkurrenz verhindert, dass die aktuellen Möglichkeiten zur Verbesserung der Wertschöpfung genutzt werden.

Preistrends nach Quartalen

Deckungsempfehlung: Q3 bei den aktuell tiefen Preisen bis und mit September voll decken, Oktober decken. Nov./Dez. teilweise decken. Q1 2027 teilweise decken. Ausnahme: Butter neutral.

Q3 2026 – steigend

  • Blumenwiesen-Käse: auf Herbst steigend
  • Gouda/Schnittkäse: steigend
  • Mozzarella: steigend
  • Cagliata: steigend
  • Hi-Lo: steigend
  • SMP: moderat steigend
  • Butter: hohe Lager, eher neutral
  • WPC80/WPI: steigend
  • WMP: seitwärts

Q4 2026 – neutral bis leicht bullisch

  • Blumenwiesen-Käse: steigend
  • Gouda/Schnittkäse: steigend
  • Mozzarella: steigend
  • Cagliata: steigend
  • Hi-Lo: steigend
  • SMP: moderat steigend, Hersteller weitgehend auskontrahiert
  • Butter: hohe Lager, EEX uninteressant
  • WPC80/WPI: steigend
  • WMP: abhängig vom NZ-Peak

Q1 2027 – noch unsicher, hängt an El Niño (Fokus Ozeanien)

  • Blumenwiesen-Käse: steigend
  • Gouda/Schnittkäse: steigend
  • Mozzarella: steigend
  • Cagliata: steigend
  • Hi-Lo: steigend
  • SMP: steigend, sofern die Lager abgebaut sind
  • Butter: steigend, sobald der Lagerpuffer kippt
  • Molkenproteine: steigend
  • WMP: steigend

Gründe und Annahmen für steigende Preise

  1. Tiefe Milchauszahlungspreise in der EU.
  2. Höhere Kosten für Energie und Dünger.
  3. Trocken-heisse Wetterprognosen für Mitteleuropa.
  4. Hohe Rindfleischpreise trotz Sommer-Delle.
  5. Sinkende Milchauszahlungspreise in Neuseeland.
  6. Trocken-heisse Wetterprognosen für Neuseeland (El Niño).
  7. El-Niño-Starkregen in Südamerika (Nov./Dez.).
  8. Die USA können die Rückgänge anderer Regionen nicht kompensieren; der starke USD bremst die Exporte.
  9. Annahme Nachfrage: Restocking aus dem Nahen Osten ab September, China mindestens stabil.

Neun Faktoren, eine Richtung. Treffen alle ein, gibt es keinen Preisanstieg, sondern einen Preis-Tsunami.

Strategischer Ausblick – Strategie schlägt Opportunismus

Das Milchmengenwachstum 2026 in Europa verlangsamt sich; eine Trendumkehr ab 2027 ist nicht auszuschliessen. Wer heute opportunistisch agiert, dem fehlt morgen die Lieferfähigkeit.

Eine stabile Lieferantenbasis ist keine Option, sondern Notwendigkeit – wer jetzt die richtigen Partner bindet, ist 2027 lieferfähig, wenn andere suchen.

Wir sind für Sie vor Ort – unsere Messepräsenz

  • SIAL, Paris: 17.–21. Oktober 2026
  • Marca, Bologna: 13.–14. Januar 2027
  • Cibus, Parma: 4.–6. Mai 2027
  • Mondial, Tours: 12.–14. September 2027

Gönnen Sie sich einen echten Schweizer Blumenwiesenkäse aus Rohmilch. Nicht nur Genuss, sondern ein Stück Lebensfreude für die Seele.

Herzliche Grüsse, Affineur Walo

Diese Prognose beruht auf unserer Markterfahrung und stellt keine definitive Vorhersage dar. Für Richtigkeit und Abweichungen übernehmen wir keine Haftung.

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