Milchmarkt-Update: Korrektur? Newsletter vom 1. September 2025
Deutlich negative Tendenzen
Rückblick und Ausblick
Die Auszahlungspreise der europäischen Molkereien bewegen sich mit über 0,50 € auf Rekordniveau. Gleichzeitig sind die Produktpreise in den letzten 12 Monaten rückläufig. Die Diskrepanz zwischen hohen Milchauszahlungspreisen und sinkenden Produktpreisen dürfte nicht dauerhaft haltbar sein.
Milchaufkommen
- Deutschland: Saisonaler Rückgang, KW 33 –1,1 % zur Vorwoche, aber +2,6 % zum Vorjahr.
- Frankreich: +3,3 % gegenüber Vorjahreswoche.
- Polen: +4,3 % im Juli, Jan–Jul +2,5 %.
- Niederlande: Juli erstmals seit 2023 über Vorjahreslinie (+0,9 %).
- USA: +3,4 % im Juli, +1,9 % im 7-Monats-Schnitt.
- Argentinien: Erholung, Juli +7,7 %, Jan–Jul +11,3 %.
- Neuseeland: Saisontief, trotzdem +6,6 % gegenüber Vorjahr.
Produkte & Märkte
- Frischprodukte: Nachfrage schwächer als erwartet, Ferienende bringt nur wenig Impulse.
- Butter: Abgepackte Butter stabil; Blockbutter abwartend, Preise stabil (6,95–7,15 €/kg).
- Käse: Nachfrage stabil, LEH und Südeuropa normal; Drittlandsexport erschwert (starker Euro, Konkurrenz USA). Schnittkäsepreise etwas schwächer.
- Magermilchpulver: Stabile bis leicht festere Preise (Lebensmittelqualität), Futterqualität schwächer. Nachfrage v. a. aus der Schokoladenindustrie ruhig.
- Vollmilchpulver: Ruhiger Markt, stabil bis leicht fester.
- Molkenpulver: Futtermittelqualität stark gefragt, Preise deutlich fester; Lebensmittelqualität stabil.
Deutschland
- Exporte Jan–Jun 2025: Rückgänge in fast allen Segmenten, außer Magermilchpulver (+12,3 %) und Butteröl (+23,9 %). Käseexport –1,5 %, v. a. schwächer in Drittländer (–7,1 %).
- Importe: Käse +6,3 %, Joghurt natur +26,5 %, Butter –6,1 %.
- Konsum im LEH (Nielsen QI, Juli 2025): Käse, Joghurt, Quark über Vorjahr; Butter –3,6 %, Mischfette –7,2 %, Margarine –1,8 %. Biomilch +6,9 %.
Frankreich
- Exporte: Käse +2,6 %, Milch –8,7 %, Butter –12,5 %.
- Importe: Käse +2,9 %, Butter +4,8 %. Nettoimporte von Butter gestiegen.
Ergebnisse der drei größten niederländischen Dairy Trader (2023/2024)
Hoogwegt
- Weltweit größter Dairy Trader
- Umsatz 2023/24: 3,2 Mrd. €
- Ergebnis deutlich gestiegen, aber weniger profitabel als Interfood
Interfood
- Umsatz 2024: 3,1 Mrd. € (2023: 3,005 Mrd. €)
- Absatzmenge: 1,11 Mio. t (leichter Rückgang gegenüber 2023: 1,16 Mio. t)
- Gewinn 2024: 36,5 Mio. € – Rückgang, aber zweitbestes Ergebnis der Firmengeschichte (2023: 71,5 Mio. €)
- Profitabilität in den letzten Jahren höher als bei Hoogwegt
- Keine großen internen Änderungen, aber Hinweis auf komplexeres Umfeld
Numidia
- Umsatz 2024: 1,1 Mrd. € (2023: 914 Mio. €)
- Absatz: 442.000 t (+26 %)
- Ergebnis: –13,5 Mio. € Verlust (erstmals; 2023: +16 Mio. € Gewinn)
Schweiz
Der Milchmarkt in der Schweiz gehört zu den am stärksten staatlichen und privat regulierten Märkten weltweit. Dies hat den Vorteil, dass Schwankungen abgefedert werden, aber auch den Nachteil, dass Anpassungen zu spät und meist disruptiv erfolgen.
Die derzeit hohe Produktion trifft auf eine schwache europäische Nachfrage. Verstärkt wird die Situation durch US-Zölle. Die sich eintrübenden Milchmärkte in Europa könnten dazu führen, dass erneut eine disruptive Anpassung nötig wird. Entscheidend wird sein, ob und wie die verschiedenen Akteure zusammenarbeiten und die Notwendigkeit zu Veränderungen erkennen. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
Korrektur?
Hohe Milchproduktion und stockender Export drücken die Spotpreise. Ob die Nachfrage mit dem Ende des Sommers anzieht, bleibt abzuwarten. Bisher ist wenig davon zu spüren.
Q3/Q4 2025 – Der Ausblick
Q3 2025 – Stabilisierung, aber fragil
- Gouda: stabil mit negativer Tendenz
- Mozzarella: Preisdruck bei anhaltend hoher Produktion
- Cagliata: saisonal stabil, wenig Spielraum
- Fett: solide Binnennachfrage, Exportproblem
- SMP: EU stabil, Export schwach
- Molkenproteine: anziehend
- Bis Ende Q3 eher Seitwärtsbewegung, ohne größere Korrekturen – Käufer bleiben vorsichtig
Q4 2025 – wachsende Risiken
- Gouda: Preise könnten nachgeben, ab Dezember fast sicher
- Mozzarella & Cagliata: Preisdruck nimmt zu
- Fett: Nachfrage stabil, Export stagniert, Preise ab Ende Q4 schwächer
- SMP: Nachfrage stabil mit negativer Tendenz, Export stagniert
- Molkenprodukte: keine klare Richtung
- Ab November/Dezember Preiskorrekturen wahrscheinlich, v. a. bei Butter und Mozzarella
Q1 2026 – Korrekturphase wahrscheinlich
- Milchvolumen steigt saisonal weiter, Angebotsdruck wächst bis Frühjahr
- Export schwach, starke Konkurrenz aus Neuseeland und den USA
- Butter und Mozzarella besonders anfällig für Preiskorrekturen
- Molkenproteine: nach Nachfragehoch im Dezember/Januar meist schwächer – „die Luft ist raus“
Q1 2026 dürfte schwächer ausfallen als Q4. Die Märkte könnten die Hochpreisphase 2025 hinter sich lassen und in eine längere Bereinigungsphase übergehen.
Empfehlung
- Kurzfristige Dispositionen bevorzugen – Risiken für Q4 und Q1 sind hoch
- Schlüsselprodukte absichern – insbesondere Butter und Mozzarella
- Bei SMP und Cagliata vorsichtig agieren, keine langfristigen Bindungen eingehen
Wir sind für Sie vor Ort – unsere Messepräsenz 2025/26
- Mondial du Fromage, Tours – 14.–16. September 2025
- Anuga, Köln – 4.–8. Oktober 2025
- World Cheese Awards, Bern – 13.–15. November 2025
- Winter Fancy Food, San Diego – 11.–13. Januar 2026
- Marca, Bologna – 15.–16. Januar 2026
- Tutto Food Milano – 11.–14. Mai 2026
- Salon du Fromage, Paris – 7.–9. Juni 2026
- Sial, Paris – 17. - 21.– Oktober 2026
Gönnen Sie sich einen echten Schweizer Blumenwiesenkäse aus Rohmilch, nicht nur ein Genuss, sondern auch ein kleines Stück Lebensfreude für die Seele.
Herzliche Grüße, Affineur Walo