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MILCHMARKT UPDATE: Hitze-Pause? Newsletter No. 167 | 6. Juli 2026

Dairy Market Analysis from 6-7-26; Milchmarkt Marktanalyse vom 6-7-26

Wer mit der Faust auf den Tisch schlägt, verhandelt mit sich selbst. Milch und Lab müssen sich einig werden, sonst gerinnt gar nichts. (Antoine der Käsekünstler; Gruyères, um 1680)

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Dairy Market Analysis from 6-7-26; Milchmarkt Marktanalyse vom 6-7-26

Rückblick & Ausblick.

Die Hitzewelle in KW 25/26 hat die Milchanlieferung und die Gehaltswerte in Europa deutlich gedrückt. Entsprechend notiert die Spotmilch mittlerweile nahe am Vertragsmilchpreis, und die meisten Marktpreise konnten zulegen. Gleichzeitig wirkt die Hitze jedoch auch dämpfend auf den Konsum, insbesondere bei Butter.

Die Hitzewelle hat den europäischen Markt kurzfristig stabilisiert. Entscheidend für die kommenden Wochen wird jedoch sein, ob die wetterbedingten Produktionsverluste stärker wirken als die gleichzeitig schwächere Nachfrage im Sommergeschäft. Davon wird abhängen, ob die aktuelle Erholung Bestand hat oder lediglich eine kurze Wetterrally bleibt.

International bleibt der Grundton eher negativ. Vor allem aus Ozeanien und den USA kommt weiterhin Angebotsdruck. Der Milchpeak in Ozeanien steht jedoch erst im Oktober bevor – bis dahin kann sich das Marktbild noch deutlich verändern.

Milchanlieferung (KW24)

  • Deutschland: - 1,0% vs. Vorwoche, +7,1% zum Vorjahr
  • Frankreich: -1,3% vs. Vorwoche, +1,3 % zum Vorjahr

Mit der Hitze ist das Milchaufkommen im gleichen Rahmen wie letztes Jahr zurückgegangen und der Jahresvorsprung bleibt hoch. Für KW 25 und KW26 werden wesentlich tiefere Anlieferungen bei sinkenden Gehaltszahlen gemeldet.

Kieler Rohstoffwert (Juni 2026)

35,7 Ct/kg; −4,8 % zum Vormonat. Butter +1,3 %; Magermilchpulver −7,2 %. Zum Vorjahr −28,3 %.

Milchaufkommen Mai 2026 – International

  • GB: 1,5 Mio. t; −0,2 % zum Vorjahr. Erstmals seit August 2024 unter Vorjahr. Jan–Mai: 7,0 Mio. t; +2,0 %.
  • Australien: 673.620 t; +5,4 % zum Vorjahr. Jan–Mai: 3,27 Mio. t; +2,9 %

FAO-Schätzung Weltmilcherzeugung 2026
+1,0 % auf 1,013 Mrd. t. Europa: leichter Rückgang. USA: Expansion. Welthandel +0,9 %, stärkster Zuwachs bei Käse.

GDT-Puls vom 30.06.2026: klar schwächeres Bild

Pulse-Event 111 fiel schwächer aus als das vorige GDT- und Pulse-Event; am stärksten gaben Milchfett und neuseeländisches Magermilchpulver nach. NZ-Magermilchpulver −5,58 %, AMF regulär −2,40 % (Premium −2,45 %), Arla-MMP −2,69 %, WMP regulär −0,43 %, Instant-WMP und ungesalzene Butter unverändert.

Deutschland Käseexporte und Importe (Januar–April 2026)

  • Die Ausfuhren stiegen um 6,8 % auf 504.720 t. (Schweiz: 27'206 t)
  • Italien bleibt wichtigster Absatzmarkt mit 83.726 t (+6,6 %).
  • Exporte in das Vereinigte Königreich erhöhten sich um 6,8 % auf 16.875 t.
  • Dynamisch entwickelten sich die Drittländerexporte mit + 20,4 % auf 74.362 t.
  • Käseimporte blieben nahezu stabil. 332.099 t + 0,3 % mehr als im Vorjahr. (Schweiz 27'369 t)
  • Die Importe aus Drittländern stiegen um 4,3 % auf 18.862 t.

Käse

  • Blumenwiesenkäse (Rohmilch / Premium): Preise stabil-leicht steigend, bei guter Nachfrage.
  • Pasteurisierte Standardkäse: Standardkäse haben sich zuletzt stabilisiert. Gouda und Mozzarella konnten sich leicht erholen, bleiben jedoch im Monatsvergleich deutlich unter Vorjahresniveau. Die Lagerbestände sind weiterhin komfortabel.
  • Volumenkäse / Dekanter: Bleibt klar unter Druck, insbesondere aufgrund aggressiver Angebote aus der Schweiz.
  • Hi-Lo-Käse (High Protein / Low Fat) Segment wächst weiter. Preise grösstenteils stabil; für Juli/August selektive Erhöhungen möglich.

Milchpulver:

  • SMP: Pulvermärkte in KW 27 leicht steigend, auch weil Onil eine SMP-Ausschreibung angekündigt hat.
  • WPC80/WPI90. Woche 27 ein insgesamt ruhiger Markt für High-Protein-Molkenprodukte: WPC80 bleibt knapp und teuer, aber der Preisschub hat an Momentum verloren, und die symbolische Marke von 30.000 €/t rückt vorerst aus Sichtweite. WPI90 bleibt ein illiquider Nischenartikel mit überwiegend kontraktgebundener Produktion und geringer Spotverfügbarkeit, der weiter mit einem deutlichen Premium zu WPC80 gehandelt wird

Flüssig-Märkte:

Hitze drückt die Produktion, das Angebot wird knapper und die Spotmilch wird fast zum Preis von Vertragsmilch gehandelt. Süddeutsche Rohmilch steigt dank italienischer Käufer auf €37.50/100 kg, Niederländische auf €34.00; Norddeutschland liegt mit €35.50 dazwischen. Die Spotmärkte reagieren aktuell empfindlich auf jede Wetteränderung. Bereits eine weitere Hitzewelle könnte die Verfügbarkeit kurzfristig nochmals deutlich reduzieren.

Milchfett:

In KW 27 ist die Butter wieder leicht gestiegen (€3'790, + €190). Sinkende Milchmengen und lebhafte Frischnachfrage treiben den Rahm (€4185/t, +€375). Der Fettmarkt bleibt zweigeteilt. Während frischer Rahm wegen der knapperen Milchverfügbarkeit stark gesucht ist, lasten hohe Butterlager weiterhin auf dem Buttermarkt. Kurzfristig profitiert Fett vom Wetter, strukturell bleibt die Marktlage jedoch anspruchsvoll.

CH-Schweiz

Die Schweiz bereitet sich auf eine erneut hohe Produktion in Q4 2026 und Q1 2027 vor. Die durchschnittlichen Milchauszahlungspreise dürften in den kommenden zwölf Monaten unter Druck bleiben. Allerdings wird dieser Druck nicht alle Marktteilnehmer gleich treffen. Während einige Anbieter ihre Mengen weiterhin gut platzieren können, kämpfen andere bereits heute mit rückläufigem Absatz. Um grössere Ungleichgewichte zu vermeiden, wird die Branche einen konstruktiven Dialog benötigen. Druck und Drohungen führen selten zu Lösungen, häufig jedoch zu Verhandlungsstillständen.

Empfehlungen:

Wir empfehlen für Q3/Q4 aktuell eine klar abwartende Haltung, punktuelle Absicherung kann opportunistisch genutzt werden.

Q2 2026 sollte gedeckt sein.

Q3 2026 – saisonal ruhig

  • Blumenwiesen-Käse: Auf Herbst steigend
  • Gouda / Schnittkäse: weiter schwach
  • Mozzarella: weiter schwach
  • Cagliata: weiter schwach
  • Hi-Lo: steigend
  • SMP: hohe Lager eher schwach
  • Butter: hohe Lager, schwach
  • Molkenproteine: moderat steigend
  • WMP: stabil bis leicht schwächer

Q4 2026: Prognose aktuell eher sinkende Preise

Prognose aktuell eher sinkende Preise. Nach der sommerlichen Verknappung in Europa richtet sich der Fokus auf Ozeanien. Der bevorstehende Milchpeak in Neuseeland dürfte die internationalen Märkte erneut stärker prägen als die europäische Angebotsentwicklung.

Preistreiber

  • Saison Blumenwiesenkäse
  • Stabile Nachfrage
  • Niedrige Lager
  • Starke Nachfrage nach Molkenproteinen

Risiken

  • Hoher Kuhbestand Neuseeland
  • USD-Schwäche möglich
  • EU-Milchkurve ähnlich 2025
  • Saisonale Schwäche ab Oktober
  • Geopolitisches Risiko Straße von Hormuz Öl-/Gas-Preise Energie-intensive Milchverarbeitung (Pulver, Whey-Veredelung) wird teurer
  • Strukturwandel Große Molkereien mit Mikrofiltration haben Vorteil bei Molken -Veredelung kleine Käsereien unter Druck
  • Hohe Butter und SMP-Lager

Strategischer Ausblick – Strategie schlägt Opportunismus

Das Milchmengenwachstum 2026 in Europa verlangsamt sich; eine Trendumkehr ab 2027 ist nicht auszuschliessen. Wer heute opportunistisch agiert, dem fehlt morgen die Lieferfähigkeit.

Eine stabile Lieferantenbasis ist keine Option, sondern Notwendigkeit — wer jetzt die richtigen Partner bindet, ist 2027 lieferfähig, wenn andere suchen.

Wir sind für Sie vor Ort – unsere Messepräsenz 2026

  • Sommer Fancy Food 28. – 30. Juni 2026
  • Sial, Paris – 17. - 21.– Oktober 2026
  • Marca Bologna: 13 - 14 Januar 2027
  • Cibus, Parma 4. – 6. Mai 2027
  • Mondial, Tours 12.–14. September 2027

Gönnen Sie sich einen echten Schweizer Blumenwiesenkäse aus Rohmilch, nicht nur ein Genuss, sondern auch ein kleines Stück Lebensfreude für die Seele.

Herzliche Grüsse, Affineur Walo

Diese Prognose beruht auf unserer Markterfahrung und stellt keine definitive Vorhersage dar. Für die Richtigkeit und zukünftige Abweichungen übernehmen wir keine Haftung.

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