Milchmarkt-Update: Butterschmelze? Newsletter vom 9. Dezember 2025
Rückblick und Analyse
Alles erstes wünschen wir allen schöne weihnachten und einen guten Rutsch, der nächste Newsletter wird voraussichtlich am 12.1.26 erscheinen.
2025 geht zu Ende – kurzer Rückblick
2025 verlief im Grundsatz wie erwartet: ein starkes erstes Halbjahr mit festen Preisen, danach der abrupte Übergang in einen Bärenmarkt und der Beginn einer Strukturkrise. Unsere Warnungen zu schwachen Genossenschaften und absehbarer Konsolidierung haben sich bestätigt.
Falsch lagen wir vor allem bei der Dauer der Hochpreisphase: Im Frühsommer gingen wir – wie viele andere – noch von weiter steigenden Q3-Preisen aus und empfahlen Teilabsicherungen von 30–50 %. Rückblickend waren diese Mengen zu teuer. Seit Ende Juli haben wir den Trendwechsel klar benannt und vor weiteren langfristigen Bindungen gewarnt. Wer unseren Empfehlungen folgte, hatte im ersten Halbjahr Planungssicherheit, zahlte für einen Teil der Q3-Mengen einen Aufpreis und vermied ab Spätsommer grössere Fehler.
Ausblick 2026
Für 2026 erwarten wir ausreichend Milch bei verhaltener Nachfrage, anhaltend aggressiven US-Exporten und eher sinkenden bzw. seitwärts tendierenden Märkten. Portfolio-Bereinigungen werden einige Marktteilnehmer zu Lieferantenwechseln zwingen; tiefe Auszahlungspreise treiben gleichzeitig weitere Bauern aus der Produktion. In den Folgejahren ist deshalb wieder mit Milchknappheit und einem neuen Schub im Strukturwandel zu rechnen.
Konsequenz für die Praxis
- Anbieter meiden, deren Struktur fragil ist (hohe Verschuldung, politischer Einfluss, schwache Ergebnisse, häufige Führungswechsel).
- Lieferanten nach Stabilität der Milchbasis, technischer Kompetenz und strategischer Transparenz auswählen.
Milchanlieferung KW 47
- Deutschland: KW 47 seitwärts zur Vorwoche, +7,4 % über Vorjahr – weiterhin sehr hohes Niveau.
- Frankreich: KW 47 +5,2 % über Vorjahreswoche.
- UK: Oktober +7,0 % zum Vorjahr, Jan–Okt +5,2 %.
- Kanada: September +3,9 % zum VJ, Jan–Sep +2,2 %
- Polen, Irland, Österreich etc.: ebenfalls deutliche Zuwächse (typisch +3–4 % im Jahresverlauf).
- USA: Milcherzeugung Jan–Sep +3,7 %, kalenderbereinigt +2,4 %.
- Neuseeland & Indien: Produktion wächst weiter; Indien +3,7 % im letzten Wirtschaftsjahr, Neuseeland rund +2 %.
Kurz: Fast alle wichtigen Export-Regionen liegen klar über Vorjahr – das Überangebot wird bestätigt.
Milchpreisentwicklungen:
Seit dem Sommer 2025 sind die Auszahlungspreise um 20% und mehr gefallen.
Niederlande – Basispreise Dezember 2025 (€/100 kg)
- FrieslandCampina NL: 43,50 €/100 kg - 5,4 %
- A-ware NL 42,41 €/100 kg -4,4 %
Belgien – Basispreise Dezember 2025
- FrieslandCampina BE 41,40 €/100 l - 5,5 %
- Milcobel BE: 39,36 €/100 l -13,5 %
- A-ware BE & Südwest-NL: 40,68 €/100 kg - 7,0 %
GDT vom 3.12.25
Der GDT-Gesamtindex ist erneut gefallen, diesmal um –4,3 % über alle Produkte und Lieferzeiträume – die 7. negative Auktion in Folge und der stärkste Rückgang seit Anfang September.
- Butter: stärkster Einbruch, im Schnitt –12,4 %.
- Butteröl: deutlich schwächer mit –9,8 %.
- Vollmilchpulver: bereits 7. Rückgang in Serie, diesmal –2,4 %.
- Magermilchpulver: im Schnitt –1,6 %.
- Mozzarella: leicht schwächer mit –1,0 %.
- Buttermilchpulver: leicht fester, +1,8 %.
- Laktose: klar positiv, +4,2 %.
- Cheddar: stärkster Gewinner, Preise +7,2 % gegenüber der letzten Auktion.
Entwicklungen im Pulver- und Proteinmarkt
- In der EU verschiebt sich die Wertschöpfung weg von klassischen Pulvern (SMP, Standard-Whey) hin zu hochkonzentrierten Milch- und Molkenproteinen (MPC85/MPI, WPC80/WPI).
- SMP und einfache Wheys sind weitgehend Commodity mit starkem Preisdruck; Dynamik und Marge liegen bei funktionellen High-Proteinen für Sporternährung, Medical Nutrition, Senioren- und Diätprodukte.
Was heisst das für die Schweiz?
Hochwertige Proteinlinien brauchen grosse, kontinuierliche Volumen, tiefe Kosten und viel Kapital – genau hier hat die Schweiz strukturelle Nachteile. Die Stärke liegt weiterhin bei Käse, Rohmilch, Herkunft und Marken; Pulver/Proteine bleiben primär Instrument zur Verwertung von Überschüssen, nicht das Feld für internationale Preisführerschaft.
Butterschmelze?
Die Butterpreise sind diesen Herbst wie Schnee im Frühling geschmolzen – über 60 % Verlust in zwölf Monaten, und das mitten in der Weihnachtsnachfrage. Der eigentliche Stresstest dürfte erst im ersten Quartal 2026 kommen.
Q1 / 2026
- Gouda (Schnittkäse) :Eher seitwärts mit Abwärtsrisiko. Januar-Bedarf zu max. 50 % fixieren, Rest nach den ersten Januar-Notierungen (ab ca. 15.01.) staffeln.
- Mozzarella (Blockware): Tendenziell schwächer, zusätzlicher Druck durch sehr günstige Importware. Für Januar höchstens 30 % absichern, Rest nach dem 15.01. je nach Spotlage eindecken.
- Cagliata: Produzenten mit Cagliata stehen gegenüber fertigem Mozzarella im Nachteil; Überhänge wahrscheinlich. Auf Weihnachtsmilch-Offerten warten, dann Januar-Mengen bis max. Mitte Februar absichern; weitere Q1-Mengen nach dem 15.01. beurteilen.
- SMP (Magermilchpulver): Relativ stabil, Potenzial für „Weihnachtsmilch-Rabatte“. Januar zu ca. 50 % decken, Februar/März zunächst offen lassen und opportunistisch auf tiefere Angebote reagieren.
- Butter: Klarer Preisdruck, Lager voll. Abwarten, keine langen Bindungen; eher kurze Kontrakte bzw. Spot.
- Molkenproteine (v. a. WPC80) Nach wie vor hoch bewertet, saisonal im Januar eher nach unten. Ebenfalls abwarten und, wenn nötig, erst im Verlauf des Januars staffeln.
- WMP (Vollmilchpulver) Schwach, eng an Milchfett gekoppelt. Nur kurzfristigen Bedarf absichern, übrige Mengenentwicklung im Januar abwarten.
Q2/2026 – vorläufige Einschätzung
Für Q2 ist die Sicht noch zu unsicher, um aggressiv vorzusichern,
- solange die Milchmengen hoch bleiben,
- die Börsenmilchwerte klar unter den Auszahlungspreisen liegen und
- beim Fett keine echte Entspannung sichtbar ist.
Bis mindestens 15.01. keine grösseren Q2-Mengen binden. Danach je nach Produkt maximal 20–30 % des Q2-Bedarfs in ersten Tranchen einkaufen, Rest flexibel halten.
Empfehlung
Überprüfen Sie Ihr Lieferantenportfolio, definieren Sie Ihre strategischen Partner und schliessen Sie bestehende Lücken. Denken Sie daran: In 12–18 Monaten könnte es wieder zu wenig Milch haben, dann brauchen Sie verlässliche Lieferanten. Diese Beziehungen müssen Sie jetzt aufbauen.
Wir sind für Sie vor Ort – unsere Messepräsenz 2025/26
- Winter Fancy Food, San Diego – 11.–13. Januar 2025 (unsicher)
- Marca, Bologna – 14.–15. Januar 2026
- Tutto Food Milano – 11.–14. Mai 2026
- Salon du Fromage, Paris – 7.–9. Juni 2026
- Sommer Fancy Food 28. – 30. Juni 2026
- Sial, Paris – 17. - 21.– Oktober 2026
Gönnen Sie sich einen echten Schweizer Blumenwiesenkäse aus Rohmilch, nicht nur ein Genuss, sondern auch ein kleines Stück Lebensfreude für die Seele.
Herzliche Grüsse, Affineur Walo