Milchmarkt: Quo vadis? Newsletter vom 20-4-2026
Der erfolgreiche Senn sucht Rat, der verzweifelte sitzt allein in der Hütte und fühlt sich stark. (Aus dem Notizbuch von Antoine dem Käsekünstler, Gruyères, um 1680)
Rückblick & Ausblick
Dritte Woche mit Preisrückgängen – Osterdip oder Trendwende?
Steigende Milchanlieferungen in Deutschland und geopolitische Unsicherheiten belasten die Stimmung. Der Milchpeak dürfte bald erreicht sein, mit Feiertagen sollte die Nachfrage aus Südeuropa anziehen. Entscheidend wird der nächste GDT‑Event: Weitere Rückgänge würden auch Europa belasten. Einziger Lichtblick bleiben Proteinkonzentrate; eine Substitution Richtung Casein könnte Hüttenkäse und fettreduzierten Hartkäse beleben – davon profitieren dabei sowohl der Grana Padano und Gran Pasta, der vergleichbare funktionelle Eigenschaften zum Bruchteil des Preises bietet.
Milchanlieferung KW 14
- Deutschland: +0,2 % zu Vorwoche, +5,6 % zu Vorjahr
- Frankreich: –0,5 % zu Vorwoche, +2,0 % zu Vorjahr (3te Woche Rückläufig, Peak vermutlich erreicht)
International (Februar)
- Türkei: Milchanlieferung –0,3 % zu Vorjahr, SMP‑Produktion –22 %
- Kanada: Milchanlieferung stabil (Feb –0,3 % zu Vorjahr) Jan.–Feb. +0,4 %
Pulvermärkte:
Die Pulvermärkte bleiben uneinheitlich. SMP Food stieg leicht auf 2’710 €/t, liegt aber unter Vormonat; SMP Feed (2’580 €/t) und WMP (3’320 €/t) gaben weiter nach. Molkenpulver auf Rekordniveau (Feed 1’510 €/t, Food 1’605 €/t), da Molkefeststoffe in höherwertige Proteinströme fliessen und kaum freie Trocknungskapazitäten bestehen.
Proteinmarkt:
Der WPC80‑Markt stabilisiert sich nach den starken Anstiegen. Käufer reagieren preissensibel, Substitutionen Richtung Casein und MPC nehmen zu, gleichzeitig wächst der Markt regional und strukturell. Die offene Frage: Löst Casein einen Nachfrageimpuls bei Hüttenkäse und fettreduziertem Hartkäse aus – und profitieren davon auch Grana Padano und Gran Pasta?
Käse:
Die Käsepreise korrigierten in KW 16 breit: Mozzarella mit dem stärksten Rückgang, Gouda/Edamer moderat schwächer, Cheddar vergleichsweise stabil. Spezialitäten wie Emmentaler und Maasdam hielten das Niveau. Schnittkäselager bleiben tief, Südeuropa fragt lebhaft nach; mit steigenden Temperaturen sollte auch Mozzarella wieder anziehen.
Milchfettmarkt
Milchfett erneut stark unter Druck. Butter auf Mehrjahrestiefs, Käufer abwartend, Produzenten verkaufen wegen hoher Lagerkosten. Mit weiter steigendem Milchangebot – auch aus Irland – bleiben zusätzliche Preisrückgänge wahrscheinlich.
Flüssigmarkt
Ausgelastete Trocknungsanlagen und hoher Milcheingang halten Spotmilch, Magermilch‑ und Molkenkonzentrat unter starkem Druck
GDT-Pulse
Pulse Event 105 schwächer: WMP –1,37 %, SMP NZ –2,44 %, SMP Arla –2,63 %, Butter –7,32 %. Gegenüber GDT 401 (C2) teils bessere Resultate bei WMP/NZ‑SMP, während Butter, Arla‑SMP und AMF nachgaben – Markt bleibt bärisch, nächster GDT richtungsweisend.
CH Schweiz
In der Schweiz ist der saisonale Milchpeak noch nicht erreicht, gleichzeitig sind die Trocknungsanlagen voll ausgelastet.
Strategisch lässt sich in der Schweiz eine klare Vierteilung der Wertschöpfung erkennen. Im Premiumsegment steht Blumenwiesenkäse aus Rohmilch. Darunter folgen standardisierte, pasteurisierte Käse für den breiten Konsumenten‑ und Exportmarkt. Im Industriesegment mit höherer Wertschöpfung positionieren sich funktionelle Produkte wie Cagliata sowie Gran Pasta als Reibkäse mit grana‑ähnlichen Eigenschaften. Das Volumensegment bildet der Dekanter‑Käse (White Cheese), der primär der Mengenverwertung dient.
Empfehlungen:
Geopolitik erhöht die Volatilität – keine generelle Absicherung auf aktuellem Niveau. Den aktuellen Dip gezielt nutzen, um Volumenlücken in Q2/Q3, vor allem bei Käse, zu schliessen.
Q2 2026 (den aktuellen Dip nützen)
- Gouda / Schnittkäse: stabil-steigend
- Mozzarella: stabil-steigend
- Cagliata: stabil-steigend
- SMP: Unsicherheiten belasten den Markt
- Butter: bleibt volatil eher schwach (Lager belasten den Markt)
- Molkenproteine: seitwärts (WPC80 und WPI sehr gefragt)
- WMP: stabil-steigend, im September Schwächephase möglich
Q3 2026 (eher stabil wie in den Vorjahren.)
- Gouda / Schnittkäse: stabil, im September Schwächephase möglich
- Mozzarella: stabil, im September Schwächephase möglich
- Cagliata: stabil, im September Schwächephase möglich
- SMP: leicht fester, im September Schwächephase möglich
- Butter: bleibt volatil eher schwach
- Molkenproteine: seitwärts möglicherweise auf Herbst, Weihnachten steigend. (WPC80 und WPI sehr gefragt)
- WMP: stabil, im September Schwächephase möglich
Q4 2026 (Eine Prognose für Q4 ist zurzeit nicht möglich)
Faktoren für steigende Preise:
- Gute Nachfrage
- Tiefe Lager
- Hohe Nachfrage nach Molkenproteinen
Risiken:
- Hoher Kuhbestand in Neuseeland
- Möglich Abschwächung USD
- Ähnliche Milchkurve wie 2025 in der EU
- In den letzten Jahren ab Oktober meist sinkende Preise
Empfehlung
Q2/Q3: Dip nutzen, Schwerpunkt Käse
Q4: keine Absicherung; Downside‑Risiko überwiegt. Falls nötig, nur kleine Volumen über Optionen/Staffeln.
Strategischer Ausblick – «Strategie schlägt Opportunismus»
Die Milchmengen in Europa dürften 2026 nur noch moderat wachsen – eine Trendumkehr 2027 ist nicht auszuschliessen. Wer jetzt opportunistisch einkauft, riskiert in einem knapperen Markt ohne verlässliche Lieferanten dazustehen. Die Lieferantenbasis langfristig zu festigen ist deshalb keine Option, sondern strategische Notwendigkeit.
Strategie schlägt Opportunismus – wer heute die richtigen Partner bindet, ist 2027 lieferfähig, wenn andere suchen.
Wir sind für Sie vor Ort – unsere Messepräsenz 2026
- Tutto Food Milano 11.–14. Mai 2026
- Salon du Fromage, Paris – 7.–9. Juni 2026
- Sommer Fancy Food 28. – 30. Juni 2026
- Sial, Paris – 17. - 21.– Oktober 2026
- World Cheese Award, Cordoba 12. November 2026
- Marca Bologna: 13 - 14 Januar 2027
Gönnen Sie sich einen echten Schweizer Blumenwiesenkäse aus Rohmilch, nicht nur ein Genuss, sondern auch ein kleines Stück Lebensfreude für die Seele.
Herzliche Grüsse, Affineur Walo
Diese Prognose beruht auf unserer Markterfahrung und stellt keine definitive Vorhersage dar. Für die Richtigkeit und zukünftige Abweichungen übernehmen wir keine Haftung.