Direkt zum Inhalt
Newsletter

Milchmarkt: Proteinsog Newsletter vom 11-5-2026

Dairy Newsletter 11-5-26, Milchmarkt Neuigkeiten 11-5-26, Analysen, Prognosen, Handlungsempfehlungen

Wer die Milch zu lange stehen lässt, sollte keinen Käse machen. (Aus dem Notizbuch von Antoine dem Käsekünstler, Gruyères, um 1680)

Image
Dairy Newsletter 11-5-26, Milchmarkt Neuigkeiten 11-5-26, Analysen, Prognosen, Handlungsempfehlungen

Rückblick & Ausblick

Der Milch‑Flush ist erreicht oder liegt hinter uns. Deutschland nähert sich der Vorjahreslinie, Frankreich ist bereits dort angekommen.

Mit der Stabilisierung der Mengen ziehen die Preise über weite Strecken leicht an – weiterhin in erster Linie getrieben durch Molkenproteine. Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich, und auch mit neuen Trocknungskapazitäten ist mittelfristig kein Überangebot absehbar. Die Preisrelation zwischen Protein und Fett verschiebt sich weiter zugunsten der Proteine.

Auffällig bleibt: Käse – per Definition ein High‑Protein‑Produkt – profitiert noch nicht im gleichen Ausmass von diesem Boom. Die steigende Wertschöpfung bei Molkenbestandteilen wirkt tendenziell preisdämpfend auf Käse. War früher die Molke das Schweinefutter, kehrt sich diese Logik gerade um, das Nebenprodukt wird zum Treiber.

Unsere Einschätzung bleibt unverändert: Q2, Q3 gedeckt bis Ende August, Q4 abwarten

Milchanlieferung KW 17 (Peak erreicht)

  • Deutschland: –0,2% zur Vorwoche, +4,9% Vorjahr.
  • Frankreich: -0.2 zur Vorwoche, ±0% Vorjahr

März 2026

  • UK: +2,3% Vorjahr, Q1 +3,4%. Wachstum deutlich schwächer als 2025 (Ø +5,3%).

USA – Exporte (Q1 2026): Exportwachstum, getrieben von Käse und Fett

  • Käse: +23,2% auf 173.529t.
  • Butter: +91,3%.
  • SMP: +4,9%.
  • Molkenprodukte: +9,9% (Molkenpulver +35,6%, WPC –22,3%).
     

Käse

  • Blumenwiesenkäse (Rohmilch / Premium) Preise stabil; in den kommenden Monaten wird mit anziehenden Notierungen gerechnet, gestützt durch knapper werdende silofreie Milch.
  • Pasteurisierte Standardkäse: Markt stabilisiert sich auf insgesamt festerem Ton, getragen von verbesserter Nachfrage und höherem Kaufinteresse. Mozzarella +4,3 % WoW (€3.420), Gouda +1,7 % (€3.400), Edam stabil bei €3.395 — alle drei jedoch weiterhin unter Vormonats- und Vorjahresniveau. Emmentaler +2,9 % auf €3.495. Einziger Verlierer bleibt der Cheddar-Komplex (–0,6 %).
  • Volumenkäse / Dekanter: folgt dem Trend, stabil bis leicht fester.
  • Hi-Lo-Käse (High Protein / Low Fat) seit Monaten stabiles Segment. Da die Preise die allgemeine Käseschwäche nicht mitgemacht haben, bleiben sie nun auch bei der Erholung stabil. Das Segment profitiert noch nicht ausreichend vom Proteinsog — eine Diskrepanz, die mittelfristig korrigiert werden dürfte.

Milchpulver:

Gemischtes Bild: SMP‑Food legt zu (+2,4% WoW) und wird von positiver Marktstimmung getragen, während SMP‑Feed (–0,7%) und WMP (–1,5%) leicht nachgeben. Insgesamt bleiben SMP‑Preise deutlich über dem Vormonat und zeigen weiteres Aufwärtspotenzial. Molkenpulver erstmals schwächer: Nach 14 Wochen Anstieg korrigieren die Preise, insbesondere im Futtermittelbereich (–4,5% WoW)

WPC80 steigt weiter stark: Preise ziehen erneut deutlich an, Erwartungen richten sich bereits auf €25’000/t, Markt bleibt von steigender Nachfrage bei begrenzter Kapazität getrieben. Der Preise führt zu Substitution (MPC, weniger Protein, pflanzliche Alternativen), gleichzeitig treten neue Käufer ein. Die Nachfrage bleibt strukturell stark und beschleunigt Investitionen in neue Kapazitäten (u.a. FrieslandCampina, IGOR/VanDrie), kurzfristig keine Entspannung, Mittelfrist mögliche Angebotsausweitung.

Flüssig- und Fett-Märkte:

Flüssig-Preise steigen, trotz Überangebot: Magermilchkonzentrat zeigt den stärksten Anstieg (+€560 auf €1’280/t), Rohmilch legt ebenfalls leicht zu.

Auch Molkenkonzentrat steigt (+€90 auf €900/t).

Ausblick: Markt dürfte sich in den kommenden Wochen ausbalancieren, da Milchmengen saisonal zurückgehen. Kurzfristig bleibt das Angebot noch hoch, Verarbeitungskapazitäten begrenzt.

Milchfett: erste Stabilisierung: Rahm legt deutlich zu und erholt sich stärker als Butter, gestützt durch knappere Verfügbarkeit und steigende Nachfrage aus dem Frischsegment. Butter nahe Boden: Butterpreise ziehen leicht an, auch Q3/Q4‑Kontrakte höher. Hohe Lagerbestände und laufend hohe Produktion belasten den Markt kurzfristig. AMF schwächer.

GDT KW19: Proteine fest, Käse uneinheitlich, Fett schwach

  • Index +1,5%, Handelsmenge niedrig (13.743t).
  • SMP +3,0%, WMP +2,2%.
  • Mozzarella +4,7%, Cheddar –3,6%.
  • Butter –2,6%, Butteröl +1,1%.

Die aktuelle GDT-Auktion unterstreicht das anhaltende Auseinanderdriften zwischen Milchprotein und Milchfett:

CH Schweiz.

Im Gegensatz zu Europa die Milchanlieferung immer noch hoch und über Vorjahr.

Emmi und Mooh haben Ihre Zahlen 2025 bereits bekanntgegeben, Anfang Juni wird Cremo folgen. Wir werden zu diesem Zeitpunkt einen kurzen Vergleich ziehen. Die anderen grossen Milchverarbeiter, ELSA, Hochdorf, und Züger Frischkäse veröffentlichen keine Zahlen.

Empfehlungen:

Unverändert: Geopolitik erhöht die Volatilität — keine pauschale Absicherung auf aktuellem Niveau, sondern selektives Vorgehen nach Segment.

Q2 2026 sollte gedeckt sein.

  • Blumenwiesen-Käse: Stabil
  • Gouda / Schnittkäse: stabil–steigend
  • Mozzarella: stabil–steigend
  • Cagliata: stabil–steigend
  • Hi-Lo Käse: steigend
  • SMP: Unsicherheit bremst kurzfristig — strukturell eher fester
  • Butter: volatil, eher schwach (Lager)
  • Molkenproteine: seitwärts (WPC80/WPI sehr gefragt)
  • WMP: stabil–steigend, September Schwäche möglich

Q3 2026 – saisonal ruhig

  • Blumenwiesen-Käse: Auf Herbst steigend
  • Gouda / Schnittkäse: stabil, September Schwäche möglich
  • Mozzarella: stabil, September Schwäche möglich
  • Cagliata: stabil, September Schwäche möglich
  • Hi-Lo: stabil, leicht fester
  • SMP: leicht fester, September Schwäche möglich
  • Butter: volatil, eher schwach
  • Molkenproteine: seitwärts, Herbst/Weihnachten fester möglich
  • WMP: stabil, September Schwäche möglich

Q4 2026: Prognose aktuell nicht möglich.
 

Preistreiber

  • Saison für Blumenwiesenkäse
  • Gute Nachfrage
  • Tiefe Lager
  • Hohe Nachfrage nach Molkenproteinen

Risiken

  • Hoher Kuhbestand in Neuseeland
  • Mögliche USD‑Abschwächung
  • EU‑Milchkurve ähnlich 2025
  • Saisonale Schwäche ab Oktober

Strategischer Ausblick – Strategie schlägt Opportunismus

Die Milchmengen in Europa dürften 2026 nur noch moderat wachsen; eine Trendumkehr 2027 ist nicht auszuschliessen. Wer heute opportunistisch agiert, riskiert morgen fehlende Lieferfähigkeit.
Eine stabile Lieferantenbasis ist keine Option, sondern strategische Notwendigkeit.

Strategie schlägt Opportunismus – wer heute die richtigen Partner bindet, ist 2027 lieferfähig, wenn andere suchen.

Wir sind für Sie vor Ort – unsere Messepräsenz 2026

  • Tutto Food Milano 11.–14. Mai 2026
  • Salon du Fromage, Paris – 7.–9. Juni 2026
  • Sommer Fancy Food 28. – 30. Juni 2026
  • Sial, Paris – 17. - 21.– Oktober 2026
  • World Cheese Award, Cordoba 12. November 2026
  • Marca Bologna: 13 - 14 Januar 2027

Gönnen Sie sich einen echten Schweizer Blumenwiesenkäse aus Rohmilch, nicht nur ein Genuss, sondern auch ein kleines Stück Lebensfreude für die Seele.

Herzliche Grüsse, Affineur Walo

Diese Prognose beruht auf unserer Markterfahrung und stellt keine definitive Vorhersage dar. Für die Richtigkeit und zukünftige Abweichungen übernehmen wir keine Haftung.

Newsletter